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Wenn Krampfadern sich hinten anstellen: Hämorrhoiden

Ja, haben wir sie denn (noch) alle? Grundsätzlich ja. Handelt es sich bei den Hämorrhoiden doch um ein Schwellkörper-Geflecht, welches mit dem Schließmuskel unseres Darms Hand in Hand arbeitet. Haben wir Stuhlgang-Drang, weicht das Blut aus diesem ringförmigen Hämorrhoidal-Polster zurück, was zu dessen Abschwellen und einem leichteren Austreten der Exkremente führt. Anschließend läuft das Blut wieder zurück in dieses hämorrhoidale Gewebe, damit der Darmausgang sicher verschlossen ist. Dass die von feinen Blutgefäßen durchzogenen Hämorrhoiden ständig an- und wieder abschwellen, ist also völlig normal.

Wenn Hämorrhoiden lästig werden

Jede/r hat also Hämorrhoiden - solang deren Funktion regelrecht ist, bemerken wir sie nur nicht. Das tun wir erst, wenn diese Blutgefäße sich erweitern; sie leiern aus, wie wir das auch von den Krampfadern in den Beinen her kennen; daher rührt auch die Bezeichnung „Varizen des Rektums“. Knotige Vergrößerungen, Aussackungen entstehen dann im Schwellkörper-Polster, die ein korrektes Zusammenziehen des Schließmuskels verhindern und in heftigen Fällen sogar entgegen ihrer eigentlichen Bestimmung zur Stuhlinkontinenz führen können. Das Hämorrhoidal-Leiden macht sich durch Jucken und Brennen in der Afterregion, auch durch Nässen oder Blutungen bemerkbar. 
Schätzungen zufolge ist ungefähr die Hälfte der über 50-Jährigen betroffen, doch auch jüngere Menschen bleiben nicht verschont; beispielsweise besteht während einer Schwangerschaft eine erhöhte Neigung zu Gefäßerweiterungen, sogar bei Kindern können, selten zwar und durch Verstopfung ausgelöst, veränderte Hämorrhoiden auftreten.

Medizinisch betrachtet …

sind die inneren, aus erweiterten Arterien entstandenen Hämorrhoiden an der Grenze zum Mastdarm die echten, während es sich bei an der Außenseite des Afters befindlichen Schwellungen oft um Thrombosen der Venen im Bereich des Schließmuskels handelt. Diese Blutgerinnsel im Bereich des Afters (Perianalthrombosen) werden gerne als „äußere Hämorrhoiden“ bezeichnet.
Das Hämorrhoidalleiden ist in Schweregrade eingeteilt. Am häufigsten tritt wohl Grad 1 auf, die am wenigsten ausgeprägte Form, nicht tastbar und per Analkanalspiegelung (Proktoskopie) zu erkennen. Grad 2 liegt vor, wenn sich Hämorrhoidalgewebe sich zwar nach außen wölbt, aber von alleine wieder den Rückzug in den Analkanal antritt. Beim Grad 3 müssen diese Gefäßerweiterungen manuell zurückgeschoben werden, während sie sich bei Grad 4 nicht mehr zurückschieben lassen und von außen ständig erkennbar sind.

Hämorrhoidenfeindliche Verhaltensweisen

Die folgenden Tipps können der Entstehung erweiterter Hämorrhoiden vorbeugen:

  • Viel Flüssigkeit zuführen, mindestens 2/2,5 Liter täglich.
  • Die so genannten Ballaststoffe, wie sie in Vollkorngetreide/-brot, (ungeschältem) Obst und Gemüse vorkommen, sind ein wichtiger Bestandteil unserer Ernährung.
  • Alles dagegen, was Verstopfung begünstigt, wie Weißbrot, Süßigkeiten etc. sollte eher gemieden werden.
  • Übergewicht und Bewegungsmangel begünstigen unter anderem die Entwicklung von Hämorrhoiden.
  • Der Vorgang der Darmentleerung sollte weder unter Zeit- noch unter sonstigem übertriebenen Druck stattfinden (nicht verzweifelt pressen!).
  • Analverkehr kann Hämorrhoiden provozieren; es sollte mit Behutsamkeit und Gleitgel vorgegangen und die erhöhte Blutungsgefahr berücksichtigt werden (Kondom).

Wer bereits von vergrößerten Hämorrhoiden, Verstopfung oder ständig hartem Stuhlgang betroffen ist, sollte sich dem Hausarzt anvertrauen, der gegebenenfalls an einen Proktologen oder Gastroenterologen verweist. Neben einer Befragung, in der auch die „Toilettengewohnheiten“ angesprochen werden, kann eine körperliche Untersuchung erforderlich sein. Je früher aber gegengesteuert wird, umso leichter lässt sich das Problem lösen. Schlimmeres kann und sollte vermieden werden und die Einschränkungen wie Brennen, Nässen und Jucken verschwinden. Ist der Stuhl sogar blutig, ist eine Abklärung der Ursache sowieso unverzichtbar.

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